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Pflegenotstand in Österreich: Warum uns das alle betrifft

  • Autorenbild: Office DIE Werkstatt am Hof
    Office DIE Werkstatt am Hof
  • 25. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

von Eva-Maria Steiner, Dipl. Resilienztrainerin


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Inhaltsverzeichnis:


Pflegenotstand in Österreich – schlechte Prognosen und warum uns das alle angeht

Die Pflege in Österreich steht unter enormem Druck. Vielleicht kennen Sie jemanden, der im Krankenhaus arbeitet. Oder eine Nachbarin, die ihre Mutter pflegt. Oder Sie selbst sind betroffen. Der Pflegenotstand ist längst keine abstrakte Zahl mehr aus Studien – er ist spürbar, jeden Tag, überall.


Pflegepersonen arbeiten seit Jahren am Limit. Pflegende Angehörige stemmen einen Großteil der Versorgung zu Hause. Und während der Bedarf steigt, fehlen Menschen, die diesen Beruf ergreifen oder langfristig darin bleiben. Warum ist das so? Und was braucht es, damit Pflege auch in Zukunft menschlich bleibt?

Dieser Beitrag richtet sich an uns alle. Denn Pflege geht uns alle an – früher oder später.



Warum der Druck in der Pflege immer größer wird

Warum spitzt sich die Lage so zu? Die Antwort ist vielschichtig. Einerseits steigt der Pflegebedarf rasant. Andererseits verlassen viele Pflegekräfte den Beruf frühzeitig. Gründe dafür sind:

  • hohe Arbeitsbelastung

  • Personalmangel

  • Schichtdienste

  • emotionale Überforderung

  • fehlende Wertschätzung

Das System funktioniert oft nur noch, weil Menschen mehr geben, als sie eigentlich können. Doch das ist kein nachhaltiges Modell.

Österreich wird älter. Besonders die Gruppe der über 75-Jährigen wächst stark und mit ihr der Pflegebedarf. Schon heute machen sie mehr als die Hälfte aller betreuten Personen aus.

Gleichzeitig gehen viele Pflegekräfte in Pension, während zu wenige nachkommen. Es ist, als würde man versuchen, ein leckes Boot mit immer weniger Händen zu rudern. Irgendwann wird das Wasser zu viel.



Pflegealltag: Mehr als nur körperliche Arbeit

Pflege ist weit mehr als Waschen, Lagern oder Medikamente verabreichen. Pflege ist Beziehungsarbeit. Sie bedeutet Zuhören, Dasein, Mittragen.

Pflegepersonen begleiten Menschen in verletzlichen Lebensphasen: bei Krankheit, im Alter, am Lebensende. Das geht nicht spurlos an ihnen vorbei.



Unsichtbare Belastungen im Pflegeberuf

Neben Zeitdruck und Personalmangel gibt es Belastungen, über die selten offen gesprochen wird:

  • psychische Erschöpfung

  • steigende Pflegeintensität

  • Konflikte und Gewalt in der Pflege

  • Sucht- und Alkoholprobleme

  • emotionale Überforderung

Diese Themen sind da – auch wenn sie oft verschwiegen werden. Pflegekräfte sollen funktionieren, empathisch sein, stark bleiben. Doch wer sorgt für sie?

Viele Menschen gehen in die Pflege aus Überzeugung. Sie wollen helfen, etwas Sinnvolles tun. Doch wenn Idealismus dauerhaft auf Überlastung trifft, entsteht Frust.

Studien zeigen: Pflegekräfte sind überdurchschnittlich häufig von Depressionen, Angststörungen und Burnout betroffen. Das ist kein persönliches Versagen, sondern ein strukturelles Problem.



Selbstfürsorge in der Pflege – ein Tabuthema

Selbstfürsorge klingt für viele Pflegepersonen fast egoistisch. Dabei ist sie das Gegenteil. Wer sich selbst ignoriert, kann auf Dauer auch für andere nicht gut da sein.

Selbstfürsorge heißt:

  • eigene Grenzen erkennen

  • Pausen zulassen

  • Hilfe annehmen

  • über Belastungen sprechen

Es ist wie im Flugzeug: Erst die eigene Sauerstoffmaske aufsetzen, dann anderen helfen.



Pflegefachfortbildungen als Schutzfaktor

Pflegefachfortbildungen sind weit mehr als fachliche Pflichttermine. Sie können ein echter Schutzfaktor sein – wenn sie richtig gestaltet sind.

Fortbildungen zu Themen wie:

  • Resilienz

  • Stressbewältigung

  • Kommunikation

  • Deeskalation

  • Selbstfürsorge

stärken nicht nur die Kompetenz, sondern auch die Gesundheit der Pflegepersonen. Sie geben Werkzeuge an die Hand, um mit schwierigen Situationen besser umzugehen.



Pflegende Angehörige: Die stille Säule des Systems

Über 80 % der Pflege in Österreich findet zu Hause statt. Getragen von pflegenden Angehörigen. Sie sind der größte, aber oft unsichtbare Pflegedienst des Landes.

Rund 947.000 Menschen pflegen Angehörige – meist ohne Ausbildung, oft neben Beruf und Familie. Besonders betroffen sind Frauen zwischen 56 und 65 Jahren.

Pflegende Angehörige erleben Schlafmangel, körperliche Erschöpfung, emotionale Überforderung, Schuldgefühle sowie soziale Isolation.

Auch Kinder und Jugendliche sind betroffen: Young Carers übernehmen Verantwortung, die weit über ihr Alter hinausgeht. Viele vergessen dabei sich selbst.



Unterstützung, die wirklich entlastet

Was brauchen pflegende Angehörige wirklich?

  • niederschwellige Beratung

  • Entlastungsdienste

  • Kurzzeitpflege

  • Schulungen für den Pflegealltag

  • psychosoziale Unterstützung

Ruhe finden und Kraft tanken ist kein Luxus. Es ist Voraussetzung, um Pflege langfristig leisten zu können.



Pflege im Wandel: Was jetzt passieren muss

Um die Pflege zukunftsfähig zu machen, braucht es mehrere Schritte:

  1. bessere Arbeitsbedingungen

  2. realistische Personalschlüssel

  3. mehr Aus- und Weiterbildung

  4. Fokus auf psychische Gesundheit

  5. Unterstützung für Angehörige


Die Lösung liegt nicht in einem einzelnen Punkt, sondern im Zusammenspiel vieler Maßnahmen.

Pflege verdient Anerkennung – nicht nur symbolisch. Sondern politisch, finanziell und gesellschaftlich.

Pflege ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in Menschlichkeit. Ohne Pflege gibt es keine sichere Versorgung.



Ein Blick nach vorne: Pflege neu denken

Die kommenden Jahrzehnte werden herausfordernd. Doch sie bieten auch eine Chance. Pflege kann menschlicher, präventiver und nachhaltiger werden.

Wenn wir Pflegefachpersonal, pflegende Angehörige, Resilienz und Selbstfürsorge ernst nehmen, schaffen wir ein System, das trägt – für alle.

Denn nur wenn jene, die pflegen, selbst gut versorgt sind, können sie anderen mit Kraft und Mitgefühl begegnen.



Resilienz: Warum innere Stärke kein Luxus ist

Resilienz bedeutet nicht, alles auszuhalten. Sie bedeutet, mit Belastungen umgehen zu können, ohne daran zu zerbrechen.

In der Pflege ist Resilienz wie ein inneres Immunsystem. Sie schützt, puffert ab und hilft, nach schwierigen Situationen wieder aufzustehen. Doch Resilienz fällt nicht vom Himmel – sie braucht Raum, Unterstützung und Übung.



Der Pflegenotstand betrifft nicht nur das Gesundheitssystem. Er betrifft uns alle. Pflege ist eine gemeinsame Aufgabe – heute, morgen und in Zukunft. Jetzt ist der Moment zu handeln

häusliche Pflege I Jung und Alt I VPAÖ I Adlwang


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