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Kannst du dich noch an die handyfreie Zeit erinnern?

  • Eva-Maria Steiner
  • 19. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

von Eva-Maria Steiner, Dipl. Resilienztrainerin



Wann hast du das letzte Mal das Haus verlassen, ohne dein Handy einzustecken?

Nicht aus Trotz. Nicht aus Mutprobe. Sondern einfach, weil es keine Rolle gespielt hat.

Ich erinnere mich noch gut an diese Zeit. Mein erstes Handy bekam ich mit 18 – kurz bevor ich zum Studieren nach Salzburg zog. Es konnte genau zwei Dinge: telefonieren und SMS verschicken. Und SMS waren teuer. Richtig teuer. Man schrieb sie nur im absoluten Notfall.

Heute kaum vorstellbar, oder?


Wie wir es damals geschafft haben, Treffen zu vereinbaren. Wie Freundschaften gehalten haben – ohne Apps, ohne Chats, ohne ständige Erreichbarkeit. Und doch weiß ich eines ganz sicher: Ich hatte mehr Zeit.

Zeit zum Nachdenken. Zeit zum Zuhören. Zeit zum Nichtstun.


Unsere Smartphones sind unglaublich nützlich. Keine Frage. Aber sie sind auch Meister im Zeitstehlen. Still, leise, fast unbemerkt. Genau hier setzt der Gedanke von Handy detox und handyfrei leben an – nicht als Verzicht, sondern als Geschenk.



Wie wir früher verbunden waren


Es gab eine Zeit, da war das Leben langsamer. Nicht unbedingt einfacher – aber ruhiger. Termine wurden Tage vorher ausgemacht. Wer zu spät kam, war einfach zu spät. Und wer nicht erreichbar war, galt nicht als unhöflich, sondern als unterwegs.

Man könnte sagen: Das Leben hatte mehr Pausen. Und Pausen sind wie Atemzüge für unsere Seele.

Freundschaften lebten von Gesprächen, nicht von Emojis. Man saß zusammen, hörte zu, schwieg gemeinsam. Konflikte wurden nicht „weggetippt“, sondern ausgehalten.

Nähe entstand nicht durch ständige Updates, sondern durch echte Begegnung. Handyfrei war kein Konzept – es war Alltag.


Wenn Technik Zeit frisst


Mein erstes Handy war kein Lifestyle-Statement. Es war ein Werkzeug. Mehr nicht. Kein Internet. Keine Ablenkung. Kein Scrollen.

Heute ist das Handy wie ein Schweizer Taschenmesser des Lebens – nur dass wir oft vergessen, es wieder einzuklappen.

Hast du schon einmal bemerkt, wie aus fünf Minuten Scrollen plötzlich eine halbe Stunde wird?

Zeit verhält sich beim Handy wie Sand zwischen den Fingern – man merkt erst, dass sie weg ist, wenn nichts mehr übrig bleibt.

Ein Handy detox ist deshalb kein Trend, sondern eine Notwendigkeit.



Die grauen Herren von heute


Als Michael Ende 1973 „Momo“ veröffentlichte, schrieb er über die grauen Herren – Zeit-Diebe, die den Menschen ihre Lebenszeit rauben.

Hätte er geahnt, dass diese Diebe Jahrzehnte später in unseren Hosen- und Handtaschen wohnen, hätte er Momo vermutlich eine ganze Kinderschar zur Seite gestellt.


Momo und die Kunst des Zuhörens


Momos besondere Gabe war einfach – und doch so selten: Sie hörte zu. Ohne zu bewerten. Ohne zu reparieren. Ohne Ratschläge.

Und genau dadurch geschah etwas Magisches: Menschen fanden neue Ideen. Kinder erfanden Spiele. Beziehungen vertieften sich.



Warum wir verlernt haben zuzuhören


Heute hören wir oft nur, um zu antworten. Oder um schnell eine Lösung zu präsentieren. Oder um unser Handy wieder in die Hand zu nehmen.

Wirkliches Zuhören braucht Zeit. Und Zeit verträgt sich schlecht mit Dauerbenachrichtigungen.


Dauerbeschallung im Alltag

Social Media. Podcasts. Radio. Nachrichten. Serien.Stille ist selten geworden – und ungewohnt.

Dabei ist Stille kein Mangel. Sie ist ein Raum. Ein Raum, in dem Nähe entstehen kann.



Handy detox – was bedeutet das wirklich?


Handy detox heißt nicht, das Smartphone zu verteufeln.

Es bedeutet, bewusst zu entscheiden:

  • Wann nutze ich mein Handy?

  • Wann lasse ich es bewusst weg?

  • Wem schenke ich meine Aufmerksamkeit?


Detox ist wie ein Frühjahrsputz – nur für den Kopf.


Handyfrei sein heißt nicht offline sein

Handyfrei bedeutet nicht, aus der Welt zu verschwinden. Es heißt, präsent zu sein.

Beim Essen. Im Gespräch. Beim Spaziergang. Mit dir selbst und mit anderen.


Zuhören als Geschenk in der Adventzeit


In dieser Adventzeit lade ich dich ein, deinen persönlichen Zeitdieb auf leise zu stellen.

Schaffe dir am Abend bewusst einen Moment der Ruhe: Mit Tee, Punsch oder Kakao. Mit einem Menschen, der dir wichtig ist.


Und dann: Hör einfach zu.


Die Kraft guter Fragen


Statt dem automatischen„Wie geht’s dir?“

probiere einmal:

  • Wie gestaltest du heuer deinen Weihnachtsabend?

  • Welche Wünsche hast du für diese Zeit?

  • Was aus deiner Kindheit trägst du heute noch in dir?


Solche Fragen öffnen Herzen.



Mehr Leben, weniger Bildschirm


Kleine Rituale für weniger Handy

Wenn wir nichts tun müssen. Nichts sagen müssen. Dann entsteht etwas Echtes.

Nähe ist wie ein Kaminfeuer – sie braucht Ruhe, um zu brennen.


  • Handy abends außer Reichweite legen

  • Handyfreie Mahlzeiten

  • Spaziergänge ohne Kopfhörer

  • Gespräche ohne Blick aufs Display


Kleine Schritte. Große Wirkung.


Je weniger wir auf Bildschirme starren, desto mehr sehen wir einander. Ein Handy detox schenkt uns nicht weniger – sondern mehr.


Mehr Zeit. Mehr Tiefe. Mehr Leben.



Fazit: Weniger Handy, mehr Mensch


Diese Adventzeit darf stiller sein. Weniger Handy. Mehr Zuhören.Weniger Ablenkung. Mehr Begegnung.

Vielleicht entdecken wir dadurch ein Stück jener Kreativität und Lebendigkeit wieder, die Michael Ende in „Momo“ so liebevoll beschrieben hat.

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