Weihnachten ist nicht immer die heile Welt – und das ist okay
- Eva-Maria Steiner
- 19. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
von Eva-Maria Steiner, Dipl. Resilienztrainerin

Weihnachten. Allein das Wort ruft Bilder hervor: Kerzenschein, leuchtende Kinderaugen, Harmonie, Nähe. Doch spätestens nach der Weihnachtssession mit der Familie ist es offiziell: Weihnachten ist nicht immer die heile Welt, die wir uns so sehr wünschen. Und weißt du was? Das ist völlig normal.
Familien sind keine starren Gebilde. Sie sind eher wie ein Mobile über dem Babybett: Alles hängt miteinander zusammen, und wenn sich ein Teil bewegt, geraten alle anderen auch in Schwingung. Jede Person bringt eigene Bedürfnisse, Erwartungen und Gewohnheiten mit, besonders zu Weihnachten. Genau hier entstehen Konflikte – aber auch Chancen.
Dieser Artikel lädt dich ein, Weihnachten neu zu betrachten: ehrlicher, bewusster und näher an dem, was du wirklich brauchst.
Weihnachten und der Mythos der perfekten Familie
Warum erwarten wir ausgerechnet an Weihnachten Perfektion?
Vielleicht, weil uns Filme, Werbung und Social Media seit Jahren genau das verkaufen. Doch hinter verschlossenen Türen sieht es oft anders aus. Streit, Enttäuschung, unausgesprochene Erwartungen – all das gehört für viele genauso dazu wie Plätzchen und Punsch.
Der erste Schritt zu einem entspannteren Weihnachten ist, diesen Mythos loszulassen.
Eine Familie ist kein fertiges Paket. Sie formt sich ständig neu. Kinder werden älter, Partnerschaften verändern sich, neue Menschen kommen dazu, andere gehen. Weihnachten wirkt dabei wie ein Brennglas: Alles, was im Alltag untergeht, wird plötzlich sichtbar.
Warum Traditionen Halt geben – und Druck machen
Traditionen sind wie alte Wege im Wald.
Sie geben Orientierung, aber manchmal führen sie nicht mehr dorthin, wo wir hinwollen.Der immer gleiche Ablauf kann Geborgenheit schenken – oder das Gefühl, gefangen zu sein.
Frage dich:
Gibt mir diese Tradition Kraft oder raubt sie mir Energie?
Gewohnheiten hinterfragen: Muss das wirklich so sein?
Viele Dinge tun wir aus reiner Gewohnheit:
Jedes Jahr derselbe Besuchsmarathon
Immer das gleiche Essen
Immer dieselben Rollen
Doch Gewohnheiten sind keine Gesetze. Sie dürfen sich verändern.
Bedürfnisse erkennen – bei anderen und bei dir
Bedürfnisse sind leise, besonders wenn wir sie lange ignoriert haben. Großeltern wünschen sich Nähe. Kinder wollen spielen. Erwachsene sehnen sich nach Ruhe.
Und du? Was brauchst du wirklich an Weihnachten?
Zuhören: Mehr als nur still sein
Zuhören bedeutet nicht nur, den Mund zu halten. Es heißt, wirklich verstehen zu wollen.
Stell Fragen wie:
Was ist dir dieses Jahr besonders wichtig?
Was stresst dich an Weihnachten?
Du wirst überrascht sein, was dabei zum Vorschein kommt.
Die eigenen Wünsche ernst nehmen
Vielleicht träumst du von:
einem ruhigen Abend zu zweit
einem Wellnesshotel
einer Berghütte mit Büchern
Deine Wünsche sind genauso legitim wie die aller anderen. Sie zu ignorieren führt oft zu Frust – und der entlädt sich dann genau an Weihnachten.
Grenzen setzen ohne Schuldgefühle
Grenzen setzen ist kein Egoismus. Es ist Selbstfürsorge. Ein klares „Nein“ zu alten Gewohnheiten kann ein großes „Ja“ zu dir selbst sein.
Grenzen helfen anderen zu verstehen, wo du stehst – auch wenn es anfangs unbequem ist.
Kommunikation als Schlüssel zur Veränderung
Veränderung beginnt im Gespräch.
Nicht vorwurfsvoll, sondern offen:
Was passt für uns noch?
Was darf sich ändern?
Wer seine Wünsche nur denkt oder ins Tagebuch schreibt, wird im Außen wenig verändern.
Alte Rituale bewahren, neue erschaffen
Nicht alles muss weg. Manches darf bleiben, anderes darf neu entstehen. Vielleicht wird aus dem großen Essen ein gemeinsamer Spaziergang. Oder aus vielen Geschenken ein einziges bewusstes.
Rituale leben davon, dass sie zu den Menschen passen – nicht umgekehrt.
Weihnachten als junge Familie
Gerade junge Familien stehen oft zwischen allen Stühlen. Eigene Vorstellungen treffen auf Erwartungen von außen.
Hier ist es besonders wichtig, als Paar oder Kernfamilie klar zu werden:
Wie wollen wir Weihnachten feiern – für uns?
Patchwork, Großfamilie & Ex-Partner:innen
Je mehr Menschen beteiligt sind, desto mehr Bedürfnisse prallen aufeinander. Perfektion ist hier unmöglich. Flexibilität und klare Absprachen helfen, Enttäuschungen zu vermeiden.
Wenn Erwartungen kollidieren
Erwartungen sind oft unausgesprochen – und genau deshalb so gefährlich. Sprich sie aus. Auch wenn es Mut kostet.
Praktische Schritte für ein stimmiges Weihnachten
Wünsche aufschreiben
Gespräche frühzeitig führen
Prioritäten setzen
Pausen einplanen
Perfektion loslassen
Kleine Veränderungen können Großes bewirken.
Vielleicht ist Weihnachten weniger ein festes Bild – und mehr ein Gefühl.
Ein Gefühl von Echtheit, Nähe und Respekt.
Wenn das gelingt, darf Weihnachten genau so sein, wie es ist: unperfekt, lebendig und ehrlich.
Fazit: Dein Weihnachten darf sich verändern
Weihnachten ist kein Test, den man bestehen muss. Es ist eine Einladung, innezuhalten und ehrlich hinzuschauen. Wenn wir unsere Bedürfnisse ernst nehmen, Grenzen setzen und offen kommunizieren, kann aus Frust neue Verbundenheit entstehen. Vielleicht sogar ein Weihnachten, das sich wirklich nach dir anfühlt.
✨ Vielleicht beginnt dein schönstes Weihnachten genau dort, wo du den Mut hast, es neu zu gestalten.

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